Sagenwesen

Die Bücherfee

Fabelhafte Welt der Buchstaben und Farben von Anita Heiden - Autorin & Illustratorin

Nixen - Seejungfrauen

Töchter des Wassermannes

(Illustration aus dem Buch

"Teufelei mit Hexerei - Die Geschcihte vom geizigen Müller")

Bei Sonnenuntergang erklingen ihre klagenden Lieder von der unerfüllten Liebe. Leise zieht der Gesang über die angrenzenden Wiesen hinfort. Sehnsuchtsvoll fliegen die Lieder im Wind durch die Wälder weit in die Oberlausitz hinein. Wehmütig gelangen die Melodien zu den Einwohnern, die in warmen Sommernächten den Klängen lauschen. Die Lieder, welche man hört, sind von den Nixen. Zierliche Wesen, die in den Seen, Teichen und Flüssen leben. Traurig sitzen sie am Rand des Gewässers und schauen nach Burschen aus, um die wahre Liebe zu finden.

(© von Anita Heiden 2013)

Die Geschichten, von denen ich erzähle, handeln oft von den mystischen Wesen aus meiner Heimat der Oberlausitz. Das winzige Bergdörfchen Ober-Prauske ist mein Zuhause. Jedoch ist es ein recht geheimnisumwobener Ort, und wenn du es nicht glaubst, dann überzeuge dich doch selbst davon.

Ich möchte dich gedanklich mitnehmen und dir einen verborgenen Waldsee zeigen, an denen man umringt von Stille sitzen kann, um die Tiere zu beobachten. Auf dem kleinen Teich blühen Seerosen. Sie leuchten in den Farben gelb, rot und weiß und in der warmen Sonne entfalten sie die wahre Pracht . Du würdest sofort eine pflücken wollen, so schön sehen sie aus. Doch was war das? Ein eigenartiges plätscherndes Geräusch erschrickt uns Rastende. Ach es war bloß ein Frosch, der ins Wasser gehüpft ist. So kann ich dich beruhigen, denn es ist nicht, wie befürchtet der Wassermann. Dieser grünhäutige Lump lauert in den Gewässern auf seine unwissenden Opfer.

Wassermann

Der Teufel von der "Hohen Dubrau"

Der Legende nach hauste eins der Teufel in

unserer Gegend. Auf dem Berg »Hohe Dubrau«,

bei meinem Dörfchen Ober-Prauske, saß er oben

auf dem Felsen und überblickte die schöne

Gegend. Schließlich liegt unser Dorf in der

schönen Oberlausitz und so wollte er gar nicht

mehr in die Hölle zurück. Lieber trieb er seinen Schabernack in der Gegend. Auf diesem Felsen ließ sich also der Teufel nieder. Bei einem nächtlichen Ausflug zerriss er sich einmal seine Hose und musste diese auf dem Teufelsstein flicken. So setzte er sich auf dem Felsgestein nieder und handwerkelte mit seinem höllischheißen Nähzeug. Als er Schere, Nadel und Fingerhut niederlegte, brannte sich die Dinge ins Gestein ein, die man heute noch besichtigen kann.

 

Der geizige Müller von Ober-Prauske

(Illustration aus dem Buch "Teufelei mit Hexerei - Die Geschcihte vom geizigen Müller")

(Illustration aus dem Buch

"Teufelei mit Hexerei - Die Geschcihte vom geizigen Müller")

Er will uns menschliche Wesen holen, damit wir für alle Ewigkeit in seine Dienste treten. Dicht unter

der Wasseroberflächehockt er und wartet nur darauf, bis sich eine ahnungslose Seele ans Ufer kniet und

die Hände in seinnasses Element taucht. Schau genau hin und im Spiel der Wellen, kannst du sein

blaugrünes verzerrtes Gesicht sehen und seine wasserblauen Augen starren dich an, als

hypnotisierten sie dich. Kaum sichtbar erkennst du sein komisches Hütchen, welches immer

schräg auf dem Kopf sitzt und unter der Krempe lugt sein grasgrünes Haar hervor. Der Dürre

trägt rote Hosen und ein blaues Jäckchen ziert seinen Wanst und voller Stolz stakt er sogar

am dichten Ufer in hohen schwarzen Schaftstiefeln. In seinem gigantischen Reich krault er verspielt

mit den Gesellen des Gewässers herum. Seine Freunde sind Fische und Frösche,

die ihn des Weges gern begleiten. Wie diese, so hat auch

er Kiemen hinter den Ohren und Schwimmhäute

wachsen zwischen den langen knorrigen Fingern.

Doch will ich dich beruhigen, hilft man ihm in Nöten,

dann zeigt er sich fürwahr erkenntlich, denn auch

er hat seine Schwächen. Bevor wir den Ort des

Wassermann‘s verlassen, lasse uns noch eine

Weile auf der Bank beim See sitzen und die Ruhe

genießen. Wir wollen dem Spiel der Libellen

auf der schillernden Wasseroberfläche

zuschauen und dem Konzert der Frösche

lauschen.

Siehst du?

Ich habe ich nicht gelogen.

Doch sei weiterhin gespannt, wenn ich dir von

einer anderen zwielichtigen Gestalt aus der Oberlausitz erzähle.

(© von Anita Heiden 2013)

(Illustration aus dem Buch

"Teufelei mit Hexerei - Die Geschcihte vom geizigen Müller")

Doch nicht jeder hatte den Teufel zum Fürchten. So war es, dass der Müller aus Ober-Prauske ihn oft zum Kartenspiel einlud und so manch närrisches Abenteuer erlebte. Die Mühle stand am Ortseingang auf einer Wiese, wo der Ober-Prauskner Fließ vorbei plätscherte. Zu gerne verspeiste er mit dem Teufel einen schmackhaften Fisch. Doch lese selbst. In der Geschichte »Teufelei mit Hexerei - Die Geschichte vom geizigen Müller« erfährst du es.

Vom Wasserhiehnel

Wer mit dem Wassermann einen Pakt ausgehandelt hatte, erhielt die seltsamsten Geschenke.

So erzählte man auch, dass die Reichen im Dorf vom Wassermann oft ein Wasserhiehnel bekommen hatten. Dieses Wasserhiehnel brachte den Reichtum ins Haus. Jeden Morgen, vor Sonnenaufgang, schüttete es kleine Eimer mit Gold in der Stube aus und verschwand wieder. Doch wenn es jemand erblickte, da war es mit dem Reichtum aus. Es zerfloss zu Wasser und ging für immer zum Wassermann zurück.

 

(Illustration aus dem Buch

"Teufelei mit Hexerei - Die Geschcihte vom geizigen Müller")

Die Querxe

Kobolde

Sollte dich einmal der Weg durch die Oberlausitz führen und du irgendwo einkehrst, dann wirst du mit Sicherheit gleich feststellen, dass sich die Hausbewohner zumeist in der Küche aufhalten. Das ist eine sehr alte Sitte und rührt von unseren Urahnen her. So ist es auch bei mir daheim, dass wir alle in diesem Raum hocken. Da trinken und essen wir nicht nur, sondern ratschen und tratschen auch miteinander.

Nun wirst du dich Fragen: »Sind die Oberlausitzer verrückt?«

Nein auf keinen Fall, doch bevor ich weiter erzähle, muss ich rasch nach dem Kuchen schauen. Mmh es schnuppert nämlich in meiner Kochstube. Ich habe gerade einen Erdbeer-Puddingkuchen gebacken, mit leckeren Butterstreuseln obendrauf. Jetzt muss ich ihn aber gut verstecken. Nanu? Hier fehlen doch schon ein paar Streusel und neben dem Kuchenblech liegen auch lauter Krumen herum.

Das kann doch nur ein Kobold gewesen sein.

(Illustration aus dem Buch

"Peterle und die gestohlenen Adventslichter")

Querxe sind Sagengestalten, welche nur in der Oberlausitz lebten. Querxe sind kleine Männlein, die zur Familie der Heinzelmännchen und Zwerge gehörten. Jedoch die kleinsten ihrer Art waren.

Einst lebten diese kleinen Wesen in den Bergen der Oberlausitz und so auch beim Teufelsfelsen auf der Hohen Dubrau. Es waren ganz fleißige Wesen und oft auch heimliche Helfer der Menschen. Leise vernahm man das Klappern von Schlägen, wenn sie in den Bergen nach edlen Steinen und Erze schürften. Dazu waren sie hervorragende Bierbrauer. Mit Hilfe eines Nebelkäppchens konnten sich die Querxe unsichtbar machen.

Jedoch hatten sie eine unliebsame Wesensart. Zu gerne naschten sie das frischgebackene Brot der Menschen. Eine Bäuerin versuchte sich daher an verschiedensten Kräutern, bis sie einst ein Kümmelbrot backte, welches die Querxe nun gar nicht mochten. Daher gab es in der Oberlausitz einmal das Kümmelbrot, bis zu dem Zeitpunkt als die Quexe die Berge und die Gegend der Oberlausitz verlassen mussten. Denn als die Kirchen gebaut wurden, ertönte mit ihnen das Glockengeläut und das schlug den Querxen dermaßen aufs Gehör, das sie die Gegend fluchtartig verließen.

Mit Sicherheit hat sich dieser kleine winzige Kerl an der Süßspeise vergriffen. Jetzt weißt du, warum wir uns meistens in der Küche aufhalten. Es ist wegen der Kobolde.

Vor viel hundert Jahren zogen sie in der Oberlausitz ein und wohnten damals in vielen Häusern, jetzt sind kaum noch welche da.Wer einem Kobold im Haus hat, der hat Glück und das nicht nur in der Liebe. Leider sind diese ulkigen Gestalten sehr neugierig und obendrein verfressen. Besonders gerne mögen sie Süßes, wie Kuchen, Schokolade oder Bonbon. Aber auch den Pudding und die Abernmauke* zum Mittag verschmähen sie nicht. Wenn ihnen der liebliche Duft des Essens in die lange Nase steigt, dann begeben sie sich sogleich auf den Weg und rennen mit ihren langen dürren Beinen zur Speise hin und mampfen heiter los. Gierig stopfen sie alles durch die schmalen Lippen in den breiten Mund hinein.

Nun habe ich den Kobold leider nicht gesehen, das liegt aber daran, weil sie sich mit Zauberstaub unsichtbar machen können. Den feinen Staub tragen sie immer griffbereit in der Hosentasche mit sich. Mitunter schwirrt das Pulver in der Luft herum und steigt uns Menschen in die Nase, dass wir heftig niesen müssen.

Also kann es durchaus sein, wenn man in der Stube niest, dass sich gerade ein Kobold verwandelt hat.

Ohne das du es ahnst, sitzen sie auf dem Küchentisch neben dem Teller und greifen heimlich mit ihren langen dürren Fingern nach den schmackhaften Happen, die sofort unsichtbar werden, wenn sie diese berühren. Und wenn du denkst, du bist schusselig, weil dir etwas von der Gabel fiel. Nee, da liegst du vielleicht auch falsch. Das kann am Ende auch ein Kobold gewesen sein, der dir gerade den Bissen vom Essgerät schupste.

Heimlich krabbeln sie eh Gott durch die Speisekammer, weil sie stets und ständig hunger haben. Um nicht erwischt zu werden, sind ihre Ohren große und spitze gewachsen. Mit diesen riesigen Dingern erkennen sie auch nur das kleinste Geräusch und verschwinden sofort. Kobolde sind recht schnell und huschen durch Wände hindurch. Sind sie verschwunden, dann kannst du sie auf den Dachboden finden, wo sie hausen und ihre Ruhe haben. Sie brauchen nicht viel Platz, denn sie sind ja nicht größer als ein Milchkarton oder eine Kaffeekanne. So klein, wie sie sind, so viel Dummheiten machen sie auch und übertreiben es zu gerne mit den Scherzen. Des Nachts krabbeln sie dich beim Schlafen oder lassen schon mal aus Jux eine Daunenfeder auf die Nase fallen.

Pst, wenn du ganz leise bist, dann kannst du knisternde und klappernde Geräusche hören. Im Schutz der Dunkelheit ist er unterwegs und streift in der Wohnung umher und vertreibt die unliebsamen Mäuse und Ratten. Das Klappern kommt von den ausgelatschten Schuhen, dazu tragen sie noch ausgefransten Hosen. Die alten Klamotten entsorgen sie erst, bis sie nur noch von Flicken gehalten werden und weil sie kaum die Sonne sehen, ist ihre Haut braun und schmuddelig.

Jedoch waren sie, wie schon gesagt, vor vielen hundert Jahren mehr in den Küchen der Oberlausitzer zu finden. Nur seit jener Zeit, da halten sich die Hausbewohner in der Küche mehr auf, als in einer anderen Stube.

Nun will ich dich aber beruhigen. Wenn auch diese Wesen nicht gerade schön aussehen, du brauchst fürwahr keine Angst vor den Kobolden aus der Oberlausitz haben. Sie sind wirklich harmlos und halfen auch im Haus und im Stall.

Um sie jedoch mit eigenen Augen zusehen, braucht man viel Glück, ihr Vertrauen und vor allem den Glauben an sie.

Man berichtet von einigen Ahnen, dass der ein oder andere sogar mit ihnen reden tat. Jedoch nachdem die Bewohner des Hauses

kundgetan hatten, einen Kobold im Haus zu haben, war er fortgewesen. Dieses ein und ausgehen von den neugierigen Besuchern war dem kleinen Wesen wohl doch zu viel gewesen und machte sich aus dem Staube. So verschwand einer nach dem anderen.

Nun fragst du dich sicher, ob ich schon einmal einen gesehen habe.

Tja, wenn das der Fall wäre, so könnte ich es doch nicht sagen, denn er ist ja, wie du weißt auch ein Glücksbringer.

Doch komm doch selbst in die Oberlausitz, und wenn du Glück hast, dann erwischt du vielleicht einen Kobold, beim Naschen.

(© von Anita Heiden 2013)

 

*Abernmauke heiß bei uns der Kartoffelmus/Kartoffelbrei

Von Irrlichtern oder Mondscheinblumen

Irrlichter

 

Oh, Wanderer gib nur Acht,

lauf nicht auf Wegen in der Nacht,

auf Pfaden die dir unbekannt,

verschwand doch oft manch großer Mann,

der spät noch unterwegs einst war,

verlor im Sumpf sein Leben gar,

so hüte dich vor blauen Flammen im Freien,

es könnten böse Irrlichter sein.

 

Irrlichter oder Irrwische genannt sind kleine blaue flammenähnliche Geister, die über die Moore und Sümpfe tänzelten. Sie verwirrten Wanderer oder Reisende in der Dunkelheit und verzauberten die Gedanken ihres schönen Leuchtens. Sie wollten die verwirrten Menschen vom sicheren Weg fortlocken uns ins Moor holen. Bezirzt vom Anblick wurde der Reisende hypnotisiert mit geflüsterten Versprechen von Reichtum. So ließen sie der Verlockung nach und folgten willenlos den blau schwebenden Lichtern und verloren ihr Leben im Moor. Der Gier verfallen, die Lichter zu berühren verloren sie ihr Leben. Die Irrlichter jedoch verblassten im Morgengrauen.

 

 

Die Mittagsfrau

Elfen - Alben

Waldelfen und Wiesenelfen. Kleine Wesen, die den Baumwächtern helfen, das Gleichgewicht der Natur aufrecht zu halten. Das wichtigste Gut, was Mensch und Tier besitzt. Sie sorgen dafür, dass die Tiere behutsam leben können, und lassen Pilze wachsen und Beeren reifen. Im Dunkeln zünden die Nachtelfen kleine Laternen an und fliegen durch die Wälder und über Wiesen. Sie leuchten verirrten Menschen den Weg, damit sie unversehrt aus dem Wald finden. So sind auch die kleinen Glühwürmchen kleine Waldelfen.

Gierig streifte die Mittagsfrau an sonnig heißen Sommertagen zwischen Zwölf und ein Uhr mittags über die Felder. Gierig schaute sie nach Frauen und Männer aus, die in der Mittagsstunde alleine arbeiteten. Die einen nannten sie Felddämon, Feldgeist oder drohte von der Sichelfrau. Gemeint war jedoch immer die Mittagsfrau (Pschespolnitza)

Der Arbeiter der die Stunde der Sonnenhöhe missbrauchte, weil sie doch für die Ruhe bestimmt war, tat den bösen Geist heraufbeschwören und befand sich sofort in seiner Gewalt.

»Die Mittagsfrau bringt keinen Segen nur den Tod«

Jedoch sagte man auch: »Wer die Mittagsfrau von zwölf bis eins unterhalten konnte, der wurde verschont.«

Elfen oder auch in der Mundart Alben genannt. Es gibt die verschiedensten davon.

Kräuterweiber, Buschweib und Hexen

In der Zeit als die Ritter noch durch die Welt klapperten, lebten mystische Weiber, vor der so mancher Mann Furcht hatte. Sie befassten sich mit Kräutern, Hexenbrauchtum und der Wahrsagerei. Solche Weiber gab es auch in meinem Ort. So hauste auf der Hohen Dubrau unterhalb des Felsens bei der Pilzeiche die Hofemaierin. Obgleich sie keine Hexe war, betitelte man sie als diese. Auch lebte im Ort die Buschmutter, welche in meiner Ahnenreihe zu finden ist. Sie ging in die Wälder, um Wurzeln zu ziehen, um daraus Wurzelkörbe zu flechten. Meine Großmutter selbst kannte das Handwerk noch, welches nun in Vergessenheit gerät. Auch tat eine Ahnin den Menschen aus der Hand und den Karten lesen. So berichtete man mir von einer mürrischne Hexe. Sie soll am Dorfrand gelebt haben und sich mit Kräutern auskannte. Doch siegte oft die Verzweiflung vor der Angst und so sah man den ein oder anderen zur nächtlichen Stunde das Weib aufsuchen, um Rat zu holen.